{"id":2288,"date":"2011-05-08T10:54:59","date_gmt":"2011-05-08T08:54:59","guid":{"rendered":"http:\/\/gehirnsturm.info\/?p=2288"},"modified":"2011-05-09T10:51:32","modified_gmt":"2011-05-09T08:51:32","slug":"fall-guttenberg-die-standards-guter-wissenschaftlicher-praxis-evident-grob-verletzt-und-hierbei-vorsatzlich-getauscht%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gehirnsturm.info\/?p=2288","title":{"rendered":"Fall Guttenberg: &#8222;die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vors\u00e4tzlich get\u00e4uscht\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie es in der <a href=\"http:\/\/www.uni-bayreuth.de\/presse\/info\/2011\/091-089-guttenberg.pdf\">Pressemitteilung der Universit\u00e4t Beyreuth<\/a> (PDF 64KB) hei\u00dft, hat Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg &#8222;vors\u00e4tzlich get\u00e4uscht&#8220;.<\/p>\n<p>Die Pressemitteilung ist nur das Ende, in dem die Universit\u00e4t Beyreuth versucht, die formale Ebene der ganzen Situation einen Abschluss zu bereiten.<\/p>\n<p>Das Guttenberg gelogen hatte und immer nur das Zugab, was er nicht mehr leugnen konnte ist das Eine. Das er wirklich Unschuldig ist und das Ganze nur auf &#8222;Missverst\u00e4ndnisse&#8220; beruht glaubten Ihm wohl nur die verblendetsten Anh\u00e4nger. Selbst die meisten Guttenberg-Fans argumentierten mit der angeblichen Belanglosigkeit des Doktortitels und der Tat.<br \/>\nAber selbst, wenn man die Tat als solches mal Ausblendet, so ist die Frage nach dem Charakter dieses Menschen und seiner tats\u00e4chlichen Wahrheitsliebe?<br \/>\nIch verzichte auf die Chronik der Salamitaktik des Herrn Guttenberg. Die ist hinl\u00e4nglich bekannt.<br \/>\nAber selbst in dieser Phase hat er die Menschen im Land belogen. Wie war das noch, als es um die Doktorarbeit und der Universit\u00e4t Beyreuth ging?<\/p>\n<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\">Guttenberg unterstrich, dass er zu seiner Dissertation nun nur noch mit der Universit\u00e4t kommunizieren wolle. Er werde die \u00dcberpr\u00fcfung seiner Doktorarbeit aktiv unterst\u00fctzen.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nEr werde bei der Gewichtung der Fehler in der Dissertation durch die Universit\u00e4t Bayreuth aktiv mithelfen, sagte Guttenberg.<\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/bildung\/universitaet\/635272\/Guttenberg-verzichtet-voruebergehend-auf-Doktortitel\">Die Presse.com &#8211; Guttenberg verzichtet &#8222;vor\u00fcbergehend&#8220; auf Doktortitel<\/a>)<\/p>\n<p>Was hat Guttenberg gemacht?<br \/>\ner hat sich nicht einmal bei der Universit\u00e4t Beyreuth gemeldet. Erst kurz vor Ablauf der Erwiderungsfrist hat er ein Fax an die Uni gesendet:<\/p>\n<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\">Am 26. April, im letzten Moment, bevor eine von der Uni gesetzte Frist verstrich, lie\u00df Guttenberg eine dreiseitige Stellungnahme nach Bayreuth faxen. Nach Informationen des &#8222;Spiegel&#8220; soll er darin von einem &#8222;Missverst\u00e4ndnis&#8220; gesprochen haben. <\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/politik\/article13359112\/Schuldig-aber-noch-nicht-verurteilt.html\">Die Welt &#8211; Schuldig, aber noch nicht verurteilt<\/a>)<\/p>\n<p>Also auch noch ende April spricht Guttenberg, nach seiner &#8222;aktiven Mithilfe&#8220; zur Wahrheitsfindung in Form eines 3-steitigen Faxes von &#8222;Missverst\u00e4ndnis&#8220;.<br \/>\nAlso auch hier hat er uns Belogen, von wegen der Unterst\u00fctzung bei der Beurteilung seiner Doktorarbeit, wie auch was er wirklich getan hat oder hat tun lassen.<\/p>\n<p>Die Nachricht, das aus dem Kreis der Plagiartopfer sich jetzt jemand an eine Klage macht, l\u00e4sst mich hoffen, das die juristische Tat doch noch verfolgt werden muss und die Staatsanwaltschaft sich nicht mit einer Einstellung aus der Aff\u00e4re ziehen kann.<\/p>\n<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\">Die Gefahr ist gestiegen, seit einer aus dem Kreise der Autoren, bei denen sich Guttenberg bedient hat, eine Klage vorbereitet. Ein Strafverfahren k\u00f6nnte mit einer Geld-, aber auch mit einer Gef\u00e4ngnisstrafe enden. <\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/print\/wams\/politik\/article13359112\/Schuldig-aber-noch-nicht-verurteilt.html\">Die Welt &#8211; Schuldig, aber noch nicht verurteilt<\/a>)<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von dem L\u00fcgner und F\u00e4lscher Guttenberg ist zu hinterfragen, wie so etwas passieren konnte.<br \/>\nHier bleiben auch nach der Pressemitteilung von der Uni Beyreuth mehr als eine Frage offen.<br \/>\nSo hei\u00dft es in der Pressemitteilung zum einen:<\/p>\n<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\">\u00dcber die ganze Arbeit verteilt f\u00e4nden sich Stellen, die als Plagiat zu<br \/>\nqualifizieren seien. Besonders deutlich lasse sich dies anhand der<br \/>\nverwendeten Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des<br \/>\nDeutschen Bundestages veranschaulichen. Herr zu Guttenberg habe<br \/>\nsich immer wieder die Autorschaft angema\u00dft, was bewusstes Vorgehen<br \/>\nvoraussetzt.<\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.uni-bayreuth.de\/presse\/info\/2011\/091-089-guttenberg.pdf\">Universit\u00e4t Beyreuth &#8211; &#8222;zu Guttenberg: Kommission legt Abschlussbericht vor&#8220;<\/a> [PDF 64 KB])<\/p>\n<p>F\u00fcr mich unverst\u00e4ndlich, das unsere &#8222;Volksvertreter&#8220; wegen dem Missbrauch des &#8222;Wissenschaftlichen Dienstes&#8220;. ein Dienst, den wir Steuerzahler finanzieren Strafanzeige stellen. Es ist unglaublich, das ein Abgeordneter unser Geld f\u00fcr seine pers\u00f6nlichen Belange nutzt. Neben dem juristischen und moralischen Hintergrund idt auch ganz einfach logisch, das Guttenberg gef\u00e4lligst den Finanziellen Schaden durch die private Nutzung zu zahlen hat!<br \/>\nSchlie\u00dflich muss ich sogar f\u00fcr den Ausweis zahlen, den mir der Staat aufzwingt, aber jemand, der f\u00fcr seinen privaten Vorteil dem Staat Kosten verursacht soll so davon kommen?<\/p>\n<p>Weiter hei\u00dft es in der Pressemitteilung:<\/p>\n<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\">Die Kommission hat im Fall zu Guttenberg auch das konkrete<br \/>\nPromotionsverfahren untersucht und eine Mitverantwortung des<br \/>\nDoktorvaters und des Zweitgutachters f\u00fcr das wissenschaftliche<br \/>\nFehlverhalten von Herrn zu Guttenberg verneint. Sie stellt allerdings<br \/>\nfest, dass die Benotung der Doktorarbeit mit dem Pr\u00e4dikat \u201esumma<br \/>\ncum laude\u201c einer ausf\u00fchrlicheren Begr\u00fcndung bedurft h\u00e4tte. Die<br \/>\nGutachten g\u00e4ben nicht gen\u00fcgend Aufschluss dar\u00fcber, welches die<br \/>\nhervorstechenden Thesen oder die besonderen Ergebnisse der Arbeit<br \/>\nseien, derentwegen die Vergabe der H\u00f6chstnote gerechtfertigt<br \/>\nerschien.<\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.uni-bayreuth.de\/presse\/info\/2011\/091-089-guttenberg.pdf\">Universit\u00e4t Beyreuth &#8211; &#8222;zu Guttenberg: Kommission legt Abschlussbericht vor&#8220;<\/a> [PDF 64 KB])<\/p>\n<p>Man stellt also fest, das der Doktorvater &#8222;Peter H\u00e4berle&#8220; und der Zweitgutachter &#8222;Rudolf Streinz&#8220; keine Mitschuld an dem Fehlverhalten des Guttenberg haben.<br \/>\nIch hoffe auch, das die Beiden sich nicht an dem Plagiat &#8222;aktiv&#8220; beteiligt haben. Das w\u00fcrde dann ein Ausma\u00df haben, der endg\u00fcltig die ganze Wissenschaft in Ihrem Verst\u00e4ndnis degradiert.<br \/>\nAber wie sieht es mit der &#8222;passiven&#8220; Mitt\u00e4terschaft aus? Wie schon in dem kleinen Satz festgestellt wird, fehlt jede Begr\u00fcndung f\u00fcr eine Bewertung der Arbeit mit \u201esumma cum laude\u201c.<br \/>\nWenn man dann bedenkt, das der Doktorvater jetzt auch Texte von sich in der Arbeit entdecken muss, dann muss man sich wahrlich fragen, wie die Beiden die Arbeit &#8222;passiv&#8220; den Betrug mit unterst\u00fctzt haben.<br \/>\nAuch muss sich die Universit\u00e4t Beyreuth fragen lassen, wie Sie einen Doktortitel mit \u201esumma cum laude\u201c vergeben kann, wenn ganz klar ist, das in der Begr\u00fcndung zu der Arbeit von dem Doktorvater &#8222;Peter H\u00e4berle&#8220; und der Zweitgutachter &#8222;Rudolf Streinz&#8220; keine entsprechende Begr\u00fcndung zu finden ist?<br \/>\nMusste man nicht Misstrauisch werden, wenn ein Mensch, der es gerade so durch das 1. Staatsexamen geschafft hat, pl\u00f6tzlich eine &#8222;Doktorarbeit mit der Note \u201esumma cum laude\u201c abgibt? Jeder Lehrer w\u00e4re hier angehalten, den Sch\u00fcler genauer zu betrachten. So die Arbeit mit anderen Vergleiche, die Sitzordnung betrachten und so weiter. Aber eine Uni nimmt es hin, das ein unterdurchschnittlicher Absolvent pl\u00f6tzlich ein erstklassiger Doktorand ist?<\/p>\n<p>Alle, sowohl die beiden Pr\u00fcfer der Arbeit, wie auch die Uni m\u00fcssen sich fragen lassen, wie Ihre &#8222;passive Mitt\u00e4terschaft&#8220; aussieht.<br \/>\nNein weder die beiden Pr\u00fcfer, noch die Uni sind &#8222;T\u00e4ter&#8220;. Aber ob diese und die Wissenschaft wirklich auch &#8222;Opfer&#8220; sind, das muss man nun hinterfragen.<br \/>\nHinterfragen muss man auch, wie es nun aussah mit dem Einfluss der Familie Guttenberg und der Politik. Auch muss sich die Uni Fragen lassen, wie es nun aussah mit den gro\u00dfz\u00fcgigen Spenden der Familie Guttenberg und der Finanzierung durch den Staat und dem Druck, den Geltungsdrang eines Guttenberg zu bedienen.<br \/>\nEs ist eine Historische Chance f\u00fcr eine Uni, mit der Sprache heraus zu kommen, wie die Verflechtung von Politik, Geld und Erfolgsdruck aussieht. Jede Strafma\u00dfnahme durch Politik und Wirtschaft gegen diese Uni, die nun so im Fokus der \u00d6ffentlichkeit steht w\u00fcrde ein h\u00e4ssliches Bild der beiden Kr\u00e4fte Wirtschaft und Politik werfen, die selbst f\u00fcr die CSu einen nicht vorhersehbaren Schaden nach sich ziehen w\u00fcrde. Davon bin ich \u00fcberzeugt.<br \/>\nAber die Angst vor wirklich freier Wissenschaft, mit all seinen Vorteilen, aber auch Nachteilen wird wohl siegen. Statt dessen wird man weiterhin die Nebelkerzen der &#8222;Unabh\u00e4ngigkeit&#8220; und &#8222;Ehrhaftigkeit&#8220; der Wissenschaft weiter verbreiten.<\/p>\n<p><b><u>Pers\u00f6nliche Anmerkung:<\/u><\/b><\/p>\n<p>Ich habe nie Studiert, nein, ich bin Quereinsteiger in meinem Beruf, wie fast alle in dem Bereich, da es bis kurz vor dem neuen Jahrtausend dieses Berufsbild als Ausbildung nicht gab. Einzig Lehrg\u00e4nge mit einer parit\u00e4tischen Pr\u00fcfung. Als Quereinsteiger habe ich dann mit in den ersten Jahren des Berufsbildes meinen Meister gemacht. T\u00e4glich \u00fcbernehme ich mit meiner Unterschrift meine Verantwortung f\u00fcr Menschenleben. Dazu hat mich die Ausbildung, die jahrzehntelange Erfahrung und die Pr\u00fcfung zum Meister bef\u00e4higt. Ich muss mich dabei zum Teil gegen die Interessen meines Arbeitgebers und der Kunden stellen. Die Gesetze haben mir eine gewissen Spielraum gelassen, f\u00fcr die ich aber auch gerade stehen muss.<br \/>\nDiese Meisterausbildung und Pr\u00fcfung wurde von mir selbst Bezahlt. Kein &#8222;Wissenschaftlicher Dienst&#8220;, kein Anschreiben h\u00e4tte mich durch die Pr\u00fcfung kommen lassen.<br \/>\nIch habe keinen Akademischen Grad und mir ist der wissenschaftliche Wert eines Doktortitel im Grunde schei\u00dfegal.<br \/>\nBei meiner Ausbildung haben nicht alle die Pr\u00fcfung geschafft. F\u00fcr diese war dies nicht &#8222;nur&#8220; ein Titel, es ging um Existenzen! Menschlich finde ich es f\u00fcr jeden eine Trag\u00f6die, aber wir \u00fcbernehmen Verantwortung f\u00fcr Menschenleben und deswegen braucht es Vertrauen auf diesem unserem Berufsbild.<br \/>\nEbenso ist es mit den akademischen Titeln zu sehen. Manch einer ist f\u00fcr die Gesellschaft nicht von so exentieller Bedeutung. Aber die Titel stehen f\u00fcr eine Qualit\u00e4t der Menschen, die diese inne haben, die ein gewisse F\u00e4higkeit erf\u00fcllen m\u00fcsse. Deswegen interessiert mich nicht der &#8222;wissenschaftliche&#8220;, sondern der &#8222;gesellschaftliche&#8220; Wert von akademischen Titeln. Und diese sind nun nicht nur in Einzelf\u00e4llen zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Wir wollen nicht vergessen, das Guttenberg der derzeit &#8222;prominenteste&#8220; Plagiator und L\u00fcgenr ist, aber bei weitem nicht der einzige. In dem ganzen Trubel ist der Plagiatsfall in der &#8222;Sportmedizin der Freiburger Universit\u00e4tsklinik&#8220; untergegangen. Dies allein ist schon erheblich, da es hier um Arbeit mit und am Menschen handelt. Aber das im Zusammenhang mit dem &#8222;Doping-Skandal&#8220; eben in der selben Klinik l\u00e4sst einen Fragen, in wie weit die Ehrhaftigkeit der Universit\u00e4ten und Wissenschaft wirklich noch ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie es in der Pressemitteilung der Universit\u00e4t Beyreuth (PDF 64KB) hei\u00dft, hat Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg &#8222;vors\u00e4tzlich get\u00e4uscht&#8220;. 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