{"id":2525,"date":"2011-09-17T18:45:07","date_gmt":"2011-09-17T16:45:07","guid":{"rendered":"http:\/\/gehirnsturm.info\/?p=2525"},"modified":"2011-09-17T18:45:07","modified_gmt":"2011-09-17T16:45:07","slug":"nach-der-wahl-ist-vor-der-wahl-eine-nachlese-und-vorausschau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gehirnsturm.info\/?p=2525","title":{"rendered":"Nach der Wahl ist vor der Wahl &#8211; Eine Nachlese und Vorausschau"},"content":{"rendered":"<p>Vor 2 Wochen wurde in Mecklenburg-Vorpommern gew\u00e4hlt, Morgen wird in Berlin gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Zuerst aber mal zu der vergangenen Wahl. Ich k\u00f6nnte nun sehr viel dazu schreiben. \u00dcber die Wahlbeteiligung, \u00fcber der gerechten Abstieg der FDP, \u00fcber das &#8222;braune Gesocks&#8220; (O-Ton Volker Pispers) usw.<br \/>\nAber ich lasse hier einen Mann zu Wort kommen, den ich dankenswerterweise fr\u00fcher schon bei ein paar Auftritten technisch betreuen durfte. Und unter uns, hinter der B\u00fchne ist er nicht Ruhiger, als auf der B\u00fchne und wer auf einen Abend zu Ihm geht, der nehme sich nichts weiter vor, weil es ein langer Abend wird. Unter 3 1\/2 Stunden war kein Abend, den ich mit ihm erlebt habe zu ende. Gemeint ist der von mir sehr verehrte Volker Pispers. Er hat in seiner letzten Sendung &#8222;Volker Pispers und G\u00e4ste&#8220; sich ausf\u00fchrlich \u00fcber die Wahlen in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern ausgelassen. Ich habe mir die M\u00fche gemacht den gesprochenen Text mal nieder zu schreiben:<\/p>\n<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\">Meine Damen und Herren,<br \/>\nstellen Sie sich vor es ist Wahl und keiner geht hin.<br \/>\nWas w\u00e4re dann? Ja, nix \u2013 alles wie immer.<br \/>\nSehen Sie, die Wahlbeteiligung bei den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Bremen ist wiedereinmal dramatisch gesunken.<br \/>\nUnd das obwohl in Bremen diesmal sogar die 16 und 17j\u00e4hrigen mitw\u00e4hlen mussten. Es ist schon ein Ph\u00e4nomen, \u00fcberall auf der Welt k\u00e4mpfen die Menschen verzweifelt daf\u00fcr, in freien Wahlen \u00fcber Ihr eigenes Schicksal entscheiden zu d\u00fcrfen. Und da wo man w\u00e4hlen gehen darf sagen die Meisten inzwischen: \u201eoch nee\u201c. Das liegt nat\u00fcrlich nicht zuletzt daran, das es ein Unterschied ist, ob man zur Wahl gehen darf oder ob man eine Wahl hat.<br \/>\nDie Bremer zum Beispiel, die haben einfach aufgegeben. Da regiert seit 65 Jahren die SPD. Daran ist offenbar nichts zu \u00e4ndern. Da erblassen selbst erprobte Dauerregenten, wie Gaddafi und die CSU.<br \/>\n65 Jahre und diesmal kann sich die SPD sogar aussuchen mit wem Sie eine Koalition macht. Die haben sowohl mit der CDU, als auch mit den Gr\u00fcnen, als auch mit der Linkspartei, h\u00e4tten die jeweils eine eigene Mehrheit in Bremen. Und au\u00dfer mit der Linkspartei hat die SPD in Bremen, in den 65 Jahren auch schon mal mit allen eine Koalition gemacht. Die Bremer hatten schon mal &#8217;ne gro\u00dfe Koalition, die hatten schon Rot-Gr\u00fcn, die hatten sogar schon mal &#8217;ne Ampel. Das haben die Bremer alles hinter sich. Und die haben gelernt, es ist egal mit wem die SPD regiert. Es \u00e4ndert sich sowieso nichts. Ja, daraus haben die Konsequenzen gezogen, oder. Es \u00e4ndert sich nix. Und die SPD hat gelernt, wie Angela Merkel, wenn man dauerhaft an der Regierung bleiben will, darf man bei der Wahl des Koalitionspartners nicht zu w\u00e4hlerisch sein. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Das war schon immer ein gutes \u00dcberlebensmotto. Und um mehr geht es ja in der Politik inzwischen gar nicht mehr. Unsere Parteien k\u00e4mpfen nur noch um das eigene \u00dcberleben. Mit wem man da koaliert? Ich bitte Sie, Koalitionen sind vom W\u00e4hler gestiftete Zwangsehen. Da ist der politische Ehrenmord vorprogrammiert.<br \/>\nUnd die W\u00e4hler, die haben inzwischen begriffen, ja mein Gott, wenn wir nicht mehr mitbestimmen k\u00f6nnen wohin der Zug f\u00e4hrt, ist doch auch v\u00f6llig egal, wer im F\u00fchrerhaus rumturnt.<\/p>\n<p>Auch der Ausgang der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern, stie\u00df auf nicht so viel Interesse, wie die letzte Scharmbeinentz\u00fcndung von Arjen Robben. In Meck-Pomm verwaltet eine gro\u00dfe Koalition mehr recht als schlecht das elend. Und da kann man ja fast wieder Stolz sein, wenn dann immer noch 51% der Bev\u00f6lkerung in so einem armen Land bereit sind Ihre kostbaren Schuhsohlen abzunutzen, um zu einer Wahl zu latschen, deren Ausgang ungef\u00e4hr so spannend ist, wie die Frage \u201eWas passiert, wenn ich ein rohes Ei vor &#8217;ne Betonwand werfe\u201c.<br \/>\nGut das die FDP diesmal sogar unter 3% gelandet ist war eine angenehme \u00dcberraschung, sagen wir&#8217;s mal so. Aber solange diese liberale Rasselbande das Totengl\u00f6ckchen als Weckruf interpretiert. Ich mach mir da keine gro\u00dfen Hoffnungen. Die FDP ist schon so oft von den Toten auferstanden \u2013 Unkraut vergeht nicht. Und in Mangel, in Ermangelung eines echten wichtigen Themas, haben sich die Korrespondenten alle auf den Wiedereinzug der NPD in den Schweriner Landtag gest\u00fcrzt.<br \/>\nJa, jetzt mal ganz unter uns. Wenn dass das einzig echte Problem ist, wo dringender Handlungsbedarf besteht, kann man diesem Bundesland nur gratulieren. Nat\u00fcrlich will keiner die NPD haben. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde man die gerne morgen verbieten. Aber entschuldigen sie bitte mal, M\u00e4rtyrer zu schaffen, das war noch nie ein Erfolgsrezept. Wenn man Bl\u00f6dheit, Stumpfsinn und Rassismus verbieten k\u00f6nnte, w\u00e4r&#8216; ich der Erste der dabei w\u00e4r&#8216;. Aber Sie k\u00f6nnen so was nicht verbieten, Sie k\u00f6nnen nur dagegen ank\u00e4mpfen. Und da gibt es durchaus hoffnungsvolle Signale, gerade aus Meck-Pomm. Schauen Sie mal, die NPD hat diesmal in Mecklenburg-Vorpommern einen sehr aufwendigen und kostspieligen Wahlkampf gef\u00fchrt. Die hat aggressiv Wahlkampf gemacht in der Hoffnung viele Stimmen dazu zu gewinnen. Eine geringe Wahlbeteiligung favorisiert immer die kleinen Parteien. Und trotz dieser g\u00fcnstigen Ausgangslage hat die NPD 10% Ihrer W\u00e4hler verloren.<br \/>\nDa kann man doch auch mal Stolz sein.<br \/>\nIch bitte Sie, die Menschen sind v\u00f6llig verunsichert. Die Menschen sind verunsichert durch Wirtschaft, Schulden  und Eurokrise. Ein Gro\u00dfteil lebt im Niedriglohnsektor mit Aussicht auf Altersarmut. Und alle sp\u00fcren inzwischen die Ratlosigkeit der etablierten Parteien. Wenn dann die Meisten dann doch nicht zu den braunen Rattenf\u00e4ngern \u00fcberlaufen ist das doch ein Ausdruck f\u00fcr die Stabilit\u00e4t unserer Demokratie.<br \/>\nWir werden damit leben m\u00fcssen, das es ein paar Prozent Unverbesserliche in diesem Land gibt. Um dieses unappetitliche braune Gesocks dauerhaft unter 5% zu dr\u00fccken sehe ich nur einen Weg. Aber wer von uns traut sich zu Westerwelle, R\u00f6sler und Br\u00fcderle zu \u00fcberreden in die NPD einzutreten, meine Damen und Herren.<\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/1430834\/Volker-Pispers-und-Gaeste-2011#\/beitrag\/video\/1430834\/Volker-Pispers-und-Gaeste-2011\">Volker Pispers und G\u00e4ste 2011 vom 11.09.2011<\/a>)<\/p>\n<p>Halten wir mal einige S\u00e4tze aus dem Beitrag fest:<\/p>\n<ul>\n<li> &#8230; \u00fcberall auf der Welt k\u00e4mpfen die Menschen verzweifelt daf\u00fcr, in freien Wahlen \u00fcber Ihr eigenes Schicksal entscheiden zu d\u00fcrfen &#8230; Das liegt nat\u00fcrlich nicht zuletzt daran, das es ein Unterschied ist, ob man zur Wahl gehen darf oder ob man eine Wahl hat.<\/li>\n<li> Aber solange diese liberale Rasselbande das Totengl\u00f6ckchen als Weckruf interpretiert.<\/li>\n<li> in Ermangelung eines echten wichtigen Themas, haben sich die Korrespondenten alle auf den Wiedereinzug der NPD in den Schweriner Landtag gest\u00fcrzt. Wenn dass das einzig echte Problem ist, wo dringender Handlungsbedarf besteht, kann man diesem Bundesland nur gratulieren.<\/li>\n<li> Und alle sp\u00fcren inzwischen die Ratlosigkeit der etablierten Parteien.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun, so kommen wir nahtlos von den gewesenen Wahlen zu der Wahl morgen in Berlin.<br \/>\nAuch hier d\u00fcrfte es kaum \u00dcberraschungen geben. Die Gr\u00fcne K\u00fcnast ist wohl nach dem Hype mit baden-W\u00fcrttemberg wieder auf dem Boden der Berliner Tatsachen zur\u00fcckgekehrt und schleimt sich schon mal als Koalitionspartner von SPD und Wowereit ein. Die gr\u00fcnen mal wieder als Sprungbrett f\u00fcr die Misspolitik der SPD. Einzig die Piraten werden es wohl endlich einmal schaffen in eine Landesregierung einzuziehen. Ob das aber ein Gewinn f\u00fcr das Parlament ist, oder ob sich dort nur ein paar Hansel Gelder f\u00fcr Ihre Sitze einheimsen wird sich dann zeigen.<br \/>\nWie war nochmal der erste von mir hier zitierte Satz von Volker Pispers:<br \/>\n<big><b>Stellen Sie sich vor es ist Wahl und keiner geht hin<\/b><\/big><br \/>\nDas h\u00f6rt sich schon fast wie Resignation an. Aber ich denke der Weg ist falsch. Ich denke, das es eher so sein m\u00fcsste:<br \/>\n<big><em>Stellen Sie sich vor es ist Wahl und alle gehen hin<\/em><\/big><br \/>\nDas ist es wovor die Parteien im allgemeinen und die Politiker im besonderen eigentlich Angst haben.<br \/>\nDeswegen werde ich auch nicht M\u00fcde, den Wahlaufruf des von mir ebenfalls sehr verehrten Wilfried Schmickler einzustellen:<\/p>\n<p><object width=\"560\" height=\"340\"><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/QnV-NDHdyeA&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;\"><\/param><param name=\"allowFullScreen\" value=\"true\"><\/param><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\"><\/param><embed src=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/QnV-NDHdyeA&#038;hl=de&#038;fs=1&#038;\" type=\"application\/x-shockwave-flash\" allowscriptaccess=\"always\" allowfullscreen=\"true\" width=\"560\" height=\"340\"><\/embed><\/object><\/p>\n<p>Der Titel &#8222;Die Feigheit vor dem eigenen Volk&#8220; sagt einiges. Und auch wenn der Aufruf f\u00fcr die letzte Bundestagswahl war, ist es ein Aufruf der f\u00fcr jede Wahl gilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 2 Wochen wurde in Mecklenburg-Vorpommern gew\u00e4hlt, Morgen wird in Berlin gew\u00e4hlt. Zuerst aber mal zu der vergangenen Wahl. 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