{"id":4848,"date":"2012-10-27T15:59:17","date_gmt":"2012-10-27T13:59:17","guid":{"rendered":"http:\/\/gehirnsturm.info\/?p=4848"},"modified":"2012-10-27T16:06:08","modified_gmt":"2012-10-27T14:06:08","slug":"und-tschuss-julia-schramm-und-matthias-schrade","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/gehirnsturm.info\/?p=4848","title":{"rendered":"Und Tsch\u00fcss Julia Schramm (und Matthias Schrade)"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\">Berlin, den 26.10.2012<br \/>\nLiebe Pirat*innen,<br \/>\nseit \u00fcber drei Jahren widme ich meine Zeit der Partei, seit einem halben Jahr bin<br \/>\nich Mitglied des Bundesvorstands. Auf diese Aufgabe habe ich mich im Vorfeld<br \/>\nvorbereitet, habe mir Gedanken zu den Themen gemacht, die mir wichtig sind, und<br \/>\nIdeen entwickelt, wie ich die Arbeit gestalten kann. Es ist eine sehr spannende<br \/>\nArbeit. Auch war mir bewusst, dass dieses Amt eine gro\u00dfe Herausforderung ist und<br \/>\ndass es nicht einfach werden w\u00fcrde.<br \/>\nDie Herausforderungen kamen. Die Stuhlgewitter auch. Alles etwas, womit ich<br \/>\ngerechnet hatte. Dass jedoch jeden Tag mehr die Anpassung meines Denkens<br \/>\nund Handelns an eine alte Politikervorstellung notwendig zu werden scheint, die<br \/>\nich ablehne und nicht bereit bin zu vollziehen, ist ein Umstand, dem ich mich nicht<br \/>\nl\u00e4nger aussetzen m\u00f6chte.<br \/>\nDeswegen ziehe ich mich nach dem Parteitag in Bochum aus der Parteiarbeit<br \/>\nzur\u00fcck und werde von meinem Amt als Bundesvorstand mit sofortiger Wirkung<br \/>\nzur\u00fccktreten. Da in Bochum \u00fcber die Frage wann der n\u00e4chste Bundesvorstand<br \/>\ngew\u00e4hlt werden soll, ist es notwendig mit offenen Karten zu spielen.<br \/>\n\u00e0 bient\u00f4t<br \/>\nJulia<br \/>\nP.S. Danke f\u00fcr die gro\u00dfartige Unterst\u00fctzung von so vielen.<br \/>\n<\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/juliaschramm.de\/wp-content\/uploads\/2012\/10\/Ru%CC%88cktritt.pdf\">Blog Julia Schramm &#8211; R\u00fccktritt <\/a>[PDF; 19,7 KB])<\/p>\n<p>Das ist auf einer PDF, die Sie auf Ihrer Homepage hinterlegt hat zu lesen.<br \/>\nDas erste mal lachen musste ich bei der Bemerkung, das Sie seit einem halben Jahr Mitglied des Bundesvorstandes sei und das sie sich im Vorfeld darauf vorbereitet hat. Ich habe es damals so wahr genommen, das die gute Frau Schramm sich f\u00fcr nur jeden erdenklichen Posten im Bundesvorstand beworben hat. Also es Ihr scheinbar egal war, ob sie mit dem Posten Ihre &#8222;Ideen&#8220; voranbringen kann.<br \/>\nDer n\u00e4chste Lacher von mir war bei diesem Satz:<br \/>\n<i>&#8222;Dass jedoch jeden Tag mehr die Anpassung meines Denkens<br \/>\nund Handelns an eine alte Politikervorstellung notwendig zu werden scheint, die<br \/>\nich ablehne und nicht bereit bin zu vollziehen, ist ein Umstand, dem ich mich nicht<br \/>\nl\u00e4nger aussetzen m\u00f6chte.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>Hier muss ich doch ein starkes Wahrnehmungsproblem vermuten. Oder sie meint, das es schon eine Einschr\u00e4nkung f\u00fcr sie ist, wenn man es wagt sie nach ihren eigenen Aussagen zu messen. Angeblich hat sie doch diesen ihrem &#8222;Denken&#8220; so widersprechenden Verlagsdeal gemacht, um sich ganz der Arbeit im Vorstand zu widmen. Statt dessen schmei\u00dft Sie nun nach einem halben Jahr die ganze Sache hin.<br \/>\nIch vermute (also &#8222;wilde Spekulation&#8220;!!!) ja eher, das sie so einem Rausschmiss zuvor kommen will. Sie gibt ja nicht nur die Ehrenamtliche Arbeit im Bundesvorstand auf, sie will sich komplett aus der Parteienarbeit zur\u00fcckziehen. So ist das, man hat alle Vorteile mitgenommen und dann verpisst man sich. Mich w\u00fcrde es nicht wundern, wenn man Sie dann demn\u00e4chst wieder bei der FDP sieht.<\/p>\n<p>Dann hat f\u00fcr den n\u00e4chsten Bundesparteitag Matthias Schrade seinen Abgang (er ist ebenfalls Beisitzer im Bundesvorstand) aus dem Bundesvorstand angek\u00fcndigt. Dieser hat auf seiner Seite den Entschluss begr\u00fcndet. Ein Kern dieser Begr\u00fcndung ist, das f\u00fcr Ihn die Zusammenarbeit mit &#8222;Johannes&#8220; (Ponader) unm\u00f6glich ist. Er will aber nicht wie Julia Schramm sich aus der Parteiarbeit zur\u00fcckziehen, sondern mit diesem Schritt seine politische Arbeit an der Basis gestalten:<\/p>\n<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\">Unter diesen Bedingungen ist aus meiner Perspektive eine weitere sinnvolle Zusammenarbeit nicht m\u00f6glich. Stattdessen werde ich mich auf produktive Parteiarbeit au\u00dferhalb des Bundesvorstandes konzentrieren.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nDas Projekt \u201cPiratenpartei\u201d ist mir wichtiger als eine Position im Bundesvorstand.<\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/kungler.wordpress.com\/2012\/10\/26\/rucktrittsankundigung-2\/\">Kunglers Blog &#8211; R\u00fccktrittsank\u00fcndigung<\/a>)<\/p>\n<p>Nun, sind die Piraten vordergr\u00fcndig mit Julia Schramm ein Glaubw\u00fcrdigkeitsproblem los, k\u00f6nnte der zweite R\u00fccktritt die Probleme der Partei im Bundesvorstand erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Man darf gespannt sein, wie die Piratenbasis diese Zersetzung ihrer Partei aufnehmen. <\/p>\n<p>in der &#8222;Zeit&#8220; ist in einem Kommentar folgendes zu lesen:<\/p>\n<blockquote><p><font color=\"#ff00ff\"><b>Wie die Gro\u00dfen, nur fieser<\/b><br \/>\nDie j\u00fcngsten R\u00fccktritte bei den Piraten zeigen: Sie f\u00fchren die gleichen Machtk\u00e4mpfe wie andere Parteien.<br \/>\n[&#8230;]<br \/>\nDoch blendet man diese neuen Kan\u00e4le [anmerkung: gemeint sind &#8222;neue Medien&#8220;] als Ort der Politik einmal aus, bleibt das schn\u00f6de Bild einer Parteipolitik 1.0 zur\u00fcck \u2013 eines alten Politikstils also, den die Piraten doch so unbedingt \u00fcberwinden wollten. Tats\u00e4chlich stecken hinter den j\u00fcngsten R\u00fccktritten ganz klassische, erbitterte Machtk\u00e4mpfe, wie man sie von den anderen Parteien schon immer kennt.<\/font><\/p><\/blockquote>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2012-10\/piraten-ruecktritte-streit\">Zeit.de &#8211; Wie die Gro\u00dfen, nur fieser<\/a>)<\/p>\n<p>Hier irrt meiner Meinung nach der Kommentator ganz gewaltig. Nicht Machtk\u00e4mpfe, wie in anderen Parteien sind hier das Problem, sondern, wie damals bei den Gr\u00fcnen, die schnelle pers\u00f6nliche Bereicherung. War dies bei den Gr\u00fcnen noch ein langer weg bis zur Akzeptanz, sehen bei den Piraten einige einen schnellen pers\u00f6nlichen Erfolg. Beispiele gibt es zu gen\u00fcge. Durch die &#8222;neuen Medien&#8220; verbreiten sich Nachrichten schneller und hier und da wird man auch schneller bekannt. Zeitungen versuchen online als erstes eine Meldung zu platzieren. t\u00e4glich m\u00fcssen wer wei\u00df wieviele Talkshows gef\u00fcllt werden, da kommen solche Exoten doch gerade recht. Die versprechen Quote und die &#8222;Exoten&#8220; sehen das Honorar, das sie daf\u00fcr bekommen. Es sind auch keine Fl\u00fcgelk\u00e4mpfe, wie in anderen Parteien, sondern es geht zum gr\u00f6\u00dften Teil um den rein pers\u00f6nlichen schnellen Vorteil.<br \/>\nUnd das steht im Gegensatz zu den Machtk\u00e4mpfen bei den &#8222;Gro\u00dfen&#8220;. Auch ein Ausdruck, den ich in Bezug auf die FDP nur in Anf\u00fchrungsstrichen setzen konnte. Hier geht es auch um den pers\u00f6nlichen Vorteil. Aber dort ist man sich bewusst, das dieser nur nachhaltig ist, wenn man das ganze in ein System steckt. So wird in den &#8222;Gro\u00dfen&#8220; Parteien daf\u00fcr gesorgt, das auch die gegnerischen Fl\u00fcgel innerhalb der Partei versorgt werden. Der Machtkampf gestaltet sich meist nur um die Gr\u00f6\u00dfe des Anteils des Kuchens und nicht um den Kuchen selbst. Erst wenn es gar nicht mehr geht, werden Konsequenzen gezogen.<br \/>\nSelbst dann werden oft die nach au\u00dfen hin Ausgegrenzten noch in einen sicheren Posten geschoben.<\/p>\n<p>Dieses System fehlt bei den Piraten, da sich dort nur jeder selbst der N\u00e4chste ist. Ob dies nun positiv ist oder nicht, soll jeder f\u00fcr sich beurteilen. Das Problem, das die Piraten haben ist, dass die P\u00f6stchensucher zum gr\u00f6\u00dften teil nach der Suche von Vorteilen sind. Entf\u00e4llt dieser Vorteil, dann will man sich den Aufwand dazu auch nicht mehr antun, wie das Beispiel Julia Schramm deutlich zeigt. F\u00fcr Johannes Ponader ist noch etwas zu holen. Gerade dadurch, das er Konfliktpotential f\u00fcr die Piraten schafft, macht Ihn f\u00fcr die Talk-Shows interessant und diese sind f\u00fcr ihn wiederum finanziell interessant. Deswegen macht er auch keine Anstalten diese Situation zu entsch\u00e4rfen. Ist er erst mal in keiner exponierten Stellung mehr, ist es ganz schnell mit den Talkshows vorbei und ob sein Finanzierungsmodell dann noch greift d\u00fcrfte eher zu bezweifeln sein. In einer \u00dcbersicht (ob Vollst\u00e4ndig, wei\u00df ich nicht) sieht man sehr sch\u00f6n, das sich bestimmet Talk-Shows lohnen, wie z.B. bei &#8222;Lanz&#8220;: <a href=\"http:\/\/wiki.piratenpartei.de\/Benutzer:Johannesponader\/Transparenzliste\">Johannesponader\/Transparenzliste<\/a><br \/>\nWenn man bedenkt, das er sogar als &#8222;Publikumsgast&#8220; (ohne das er in Erscheinung getreten ist) 250 Euro plus Reisekosten bekommen hat, dann fahre ich auch gerne mal zu Lanz.  Wie gesagt, schaut man sich diese Liste der Eink\u00fcnfte mal an, so findet man (so weit ich das sehe) keine Einnahme, die er als &#8222;Autor, Regisseur, freier Schauspieler, Spielp\u00e4dagoge sowie als Dozent in den Bereichen Schauspieltraining und Selbsterfahrung&#8220; (seine T\u00e4tigkeiten lt. eigenen Angaben) bekommen hat.<\/p>\n<p>Den Schaden hat die Piratenbasis, die gerne etwas gesellschaftlich \u00e4ndern will und nicht den Hampelmann f\u00fcr ein paar Selbstdarsteller spielen wollen. Ob sie es wirklich noch Basisdemokratisch in der Hand haben, die Entwicklung der Partei zu bestimmen wird die Zukunft beweisen. Zu w\u00fcnschen ist es Ihnen, auch wenn ich mit manchen Zielen der Partei nicht konform gehe. Aber das betrifft nicht nur die Piratenpartei.<\/p>\n<p>Zu den R\u00fccktritten ist bei <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/blogs\/8\/153069\">Heise (Telepolis) ein Artikel<\/a> erschienen, der auch einen Link zu einer <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5kRM2Qvcmd0&#038;feature=youtu.be\">Pressekonferenz des Bundesvorstandes<\/a> der Piraten hat. Besonders interessant ist neben dem Seicht-Gelaber um Julia Schramm die Anmerkung zum R\u00fccktritt von Schrade, besonders zu seiner Kritik an Johannes Ponader (ab ca. Minute 3:00).<br \/>\nBedauerlich ist, das sich der Parteivorsitzende ganz im Stil anderer Parteien zu keiner inhaltlichen \u00c4u\u00dferung festlegen. Also irgendwie doch so wie die &#8222;Gro\u00dfen&#8220;, wenn auch nicht mit der selben Wirkung.<\/p>\n<p>P.S.<br \/>\nEinen netten Presse\u00fcberblick bietet Popcornpiraten in dem Artikel <a href=\"http:\/\/popcornpiraten.de\/presse-nach-den-rucktritten-das-problem-heist-ponader\/\">&#8222;Presse nach den R\u00fccktritten: \u201cDas Problem hei\u00dft Ponader\u201d&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Also kann ich mir weiter weisende Links sparen. \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, den 26.10.2012 Liebe Pirat*innen, seit \u00fcber drei Jahren widme ich meine Zeit der Partei, seit einem halben Jahr bin ich Mitglied des Bundesvorstands. 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