Kleinkunstpreis B-W – Georg Schramm und die Frage nach dem „Eklat“

Georg Schramm hat den „Lotto-Ehrenpreises“ im Rahmen des Kleinkunstpreis Baden-Württemberg bekommen.
So weit so gut.
Wofür bekommt man nun einen Preis, besonders einen „Ehrenpreis“?
Ich war immer der Meinung, das man diesen für das Bekommt, was man geleistet hat, bzw. wofür man in seiner Arbeit steht!
Es sei denn, er wird vergeben, weil man eine Gegenleistung erwartet. Dann ist es aber kein Preis, sondern ein Handel und der „Preis“ ist das Blutgeld dafür.
Nun, ein „Handel“ war es wohl nicht, als man sich entschloss Georg Schramm einen „Ehrenpreis“ zu verleihen. Scheinbar dachte man wohl, das man sich den „Zornbürger“ mit solch einem Preis einkaufen kann. Diese einseitige Willenserklärung ist dann wohl in die Hose gegangen.
Was hatte Georg Schramm gemacht?
Nun er hat genau das gemacht, was er in seiner Abschiedsrede bei „Neues aus der Anstalt“ angekündigt hat. Er ist raus gegangen um der „Oberschicht“ fragen zu stellen.
So heißt es in seiner Rede dazu:

Ob es ihnen nicht eigentlich peinlich ist,
ob es ihnen nicht unwürdig erscheint,
ob es ihnen nicht genügt eine Schonwetterelite zu sein.
Die nicht bereit ist Verantwortung zu übernehmen
Wenn schlechte Zeiten kommen und Sturm angesagt ist.
[…]
Ich würde sie fragen, ob sie überhaupt spüren, ob sie empfindsam dafür sind,
Dass das Sparpaket ihrer Wunschregierung eine Kriegserklärung ist an die absolute Mehrheit dieses Volkes,
das gar kein Vermögen hat, das man in Sicherheit bringen könnte.

(Aus „Neues aus der Anstalt“ vom 8.Juni 2010; Soloauftritt Georg Schramm)

Im Wortlaut hier ab ca. 3:10:

Was hat er nun anders gemacht?
Er hat mit der Baden-Württembergerischen Oberschicht gesprochen, er hat sie gefragt, ob es ihnen nicht Peinlich ist.

Ich Frage, ist es dem Land, der Oberschicht nicht peinlich, das Sie einen Kleinkunstpreis in einem für Kleinkunst unwürdigen Rahmen vergeben. Ist es Ihnen nicht peinlich Ansprüche zu stellen, weil sie anderer Menschen Geld an Kleinkünstler vergeben? Ist es ihnen nicht peinlich, sich über den Sturm zu beschweren, den sie gesät haben, aber selbst nicht ernten wollen?

Der „Eklat“?
Das sich die Oberschicht aufregt, das Sie „Arschloch“ rufen, das man „Aufhören“ gerufen habe (angeblich in den ersten Reihen der „Oberschicht“, während der „Pöbel“ in den hinteren Reihen gejubelt habe), das ist nicht der „Eklat“.
Der „Eklat“ ist, das sie aus Ihrer Anwesenheit einen Anspruch bezüglich der Auszeichnung herbeizitieren. Was hat der „Vermieter“ der Räumilchkeiten „Roland Mack“ über den Inhalt der Veranstaltung Ansprüche zu stellen? Stand in dem Mietvertrag für die Räumlichkeiten etwa, das Georg Schramm nur Danke sagen darf, in den angemieteten Räumlichkeiten für eine „Kleinkunstpreis-Verleihung“? Darf ich ihn nun als „Arschloch“ bezeichnen? So wie es die „Oberschicht“ macht?
Was hat sich ein Friedhelm Repnik, Chef der Landeseigenen Lottogesellschaft aufzuregen? Ist es zu loben, das ein Teil von Geldern, das mit der Hoffnung auf ein besseres Leben Menschen aus der Tasche gezogen wird und dessen Monopolstellung man mit Händen und Füßen und mit dem Verweis so die Spielsucht zu begegnen aus der Tasche zieht, als Preisgeld ausgelobt wird?
Ich glaube ja eher, das Georg Schamm froh war, diese Hand nicht schütteln zu müssen.
Der „Eklat“ war weder die Worte von Georg Schramm, noch die Reaktionen. Der „Eklat“ war die Unverschämtheit einiger Menschen einen Anspruch zu stellen. Ja, mein lieber Herr Roland Mack, es ist „Klassenkampf“, politisches Kabarett ist immer auch „Klassenkampf“ und er ist richtig und wichtig!
Wie sagt Georg Schramm so richtig:

Für Schramm ist es „ein Glücksfall, wenn man ein Publikum spalten kann, das gelingt ganz selten“. Aber genau das müsse Kabarett leisten.

(Quelle: Badische Zeitung – „Schramm hat den Eklat in Rust in Kauf genommen“)
Er macht es nicht allen Recht. Das ist gut und wichtig so und ich hoffe das es auch immer so bleibt.

Das Preisgeld solle dann Georg Schramm zurückgeben oder „wenigstens Stiften“?
Da haben die „Gastgeber“ aber mehr als nur einen Bock geschossen. Wer Georg Schramm kennt, wusste, das er sich noch nie an Geld, das er als Preis bekommen hat bereichert hat. Er hat es schon immer indirekt dorthin zurückfließen lassen, wo es rausgepresst wird. So ging auch dieses Geld, was schon vor dem Abend klar war an die „Medico International“ für Flüchtlingshilfe.

Was mich aber noch mehr begeistert sind die Kommentare, die man dazu in verschiedenen Berichten liest. Die Kommentare auf der „Badischen Zeitung“ und der „Stuttgarter Zeitung“. Wobei bei der Stuttgarter Zeitung ich die Zwischen-Überschrift noch peinlicher fand:
„Zuschauer fordern Rückgabe der Auszeichnung“
Diese Effekthascherei ist peinlich, vor allem da der Artikeltext dieser Überschrift nirgendwo einen Beleg liefert. Wie auch, wenn die „hinteren“ Ränge gejubelt haben, dann können es ja nicht die „Zuschauer“ sein. Oder gibt es einen unetrschied zwischen „Zuschauern“ und „Füllstatisten“? oder wie soll ich selbiges verstehen?
Zurück zu den Kommentaren.
In der Badischen Zeitung gab es zu den beiden Artikeln einige Reaktionen in den Kommentaren.
Lustig finde ich, wenn von den „Gastgeber“ Mack geschrieben wurde. Man scheint da wohl was zu verwechseln. Der Gastgeber ist der Steuerzahler von Baden-Württemberg. Herr Mack ist „nur“ der Vermieter dieser Location, der sich dann auch noch durch den Abend schmarotzt, in dem er sich durch die von Steuer- und Lottogeldern bezahlten Annehmlichkeiten frisst.
Was würde wohl so mancher dieser Empörten Kommentatoren sagen, wenn sein Vermieter sich in sein Wohnzimmer einlädt und dann noch sauer ist, weil Ihm das TV-Programm nicht passt?
Dann kommt wieder das übliche „linke Kabarettisten“ geseiere. Das kann ich so langsam nicht mehr hören. Das braucht selbst auch keiner weiteren Kommentierung. Georg Schramm überzeugt da für sich selbst, das er alles mögliche ist, aber kein „linker Spinner“.
Dazu fällt mir nur der Refrain von Arik Brauer aus dem Lied „Schwarz und Weiß“:

Er sieht nur Schwarz und Weiß die ganze Welt
Die Zwischentöne sieht er nicht
Weil ihm das Schwarz und Weiß viel leichter fällt
Er hat zu wenig Licht

(Quelle: Arik Brauer – Lied: LP „Alles Was Flügel Hat Fliegt (1973)“, Text: LiricWiki – „Arik Brauer:Schwarz Und Weiß“)

Ein schönes Zitat, das einer der Kommentatoren dort geschrieben hat, möchte ich an dieser Stelle noch los werden:

Das ist kein rechter Mann und kein rechter Stand, der nicht einen ordentlichen Puff vertragen kann. Er mag sich mit denselben Mitteln dagegen wehren, er mag widerschlagen – aber er wende nicht verletzt, empört, gekränkt das Haupt

(„Kurt Tucholsky über Satire“; Quelle: Badische Zeitung – „Georg Schramm sorgt für Eklat im Europa-Park“, Kommentar vom „03. Mai 2011 – 18:03 Uhr“)

In diesem Sinne, lasst uns dafür Sorgen, das noch viele Ihr Haupt verletzt, empört und gekränkt wenden.

Links:

– Stutgarter Zeitung: „Dombrowski“ lässt nicht mit sich spaßen
– Badener Zeitung: Georg Schramm sorgt für Eklat im Europa-Park
– Badener Zeitung: Schramm hat den Eklat in Rust in Kauf genommen
– Stuttgarter Nachrichten – „Joe Bauer-Kolumne: Der Haha-Defekt“
– derFreitag: Georg Schramm against the machine

Persönliche Bemerkung:

Neben Inhaltlichen kam in den Kommentaren immer wieder die Äußerungen, das andere Kaberettisten leisere Töne anschlagen (als positivere Beispiele), bzw. das andere Kaberettisten „weichgespült“ seien.
Dazu muss ich sagen, das man hier scheinbar auch solche „Zornbürger“ wie Wilfried Schmickler vergisst, der mit ebensolcher Kompromisslosigkeit seine Soloauftritte gestaltet. Weiter bin ich froh, das es nicht nur Schmickler und Schramms gibt. Ich freue mich auch an den Spitzen von Pispers, den Wortspielen von Django Asül, den leisen Tönen von Hildebrand und Hüsch. Es gibt auch sogenannte Kaberettisten, die ich ebenfalls als „weichgespült“ bezeichnen würde,a ber nicht weil diese ruhige Töne von sich geben, sondern, weil diese eben Ihre Schere im Kopf haben und bei einer „Kleinkunstverleihung“ mit der Oberschicht nicht das sagen, was Sie dem „Pöbel“ präsentieren.
Dann gibt es noch diejenigen, die seiner Rolle in „Neues aus der Anstalt“ nachtrauern. Ich bin froh, das er aufgehört hat, nein nicht wegen der Sendung sondern für Ihn. Was wäre geblieben, wenn er das noch ein paar Jahre weiter gemacht hätte? Ein Clown, der seine Lacher dadurch erhält das er seine Stimme zu einem Zorn im öffentlich-rechtlichen TV erhebt und sich ein mal im Monat dafür bejubeln lässt. Nein er hat diesen Abschnitt erfolgreich und ehrlich absolviert und hat mit Urban Priol zusammen das ZDF aus seiner jahrzehntelangen Kabarett-Abstinenz heraus geholt. Jetzt ist er wieder da, wo er sein will, dort wo es weh tut. Vor der Oberschicht und auf der Demo gegen S21. Und vor allem wieder auf den Kleinkunstbühnen, wo er den Besuchern Ihr Gewissen nicht beruhigt. Er fordert und er fordert nicht nur von seinem Gegenüber, sondern auch von sich selbst. Die logische Konsequenz ist, das der Wohnzimmerrebell nicht mehr von Ihm im TV bedient wird. Wer sich darüber enttäuscht zeigt, das er nicht mehr bei „Neues aus der Anstalt“ zu sehen ist, der hat (so meine Meinung nach) etwas nicht verstanden, was Georg Schramm ausmacht.
Ich finde übrigens, das Pelzig eine gute Wahl war und das dies auch bei Priol einen neuen Auftrieb gegeben hat. Gibt es in dem Format nicht Änderungen, dann wird es sehr schnell beliebig und das hat meiner Meinung nach Georg Schramm verstanden und seine persönlichen Konsequenzen gezogen. Er wollte wohl eben nicht, das diese Sendung beliebig wird.

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3 Antworten auf Kleinkunstpreis B-W – Georg Schramm und die Frage nach dem „Eklat“

  1. Zappi sagt:

    Ich bin Schramm-Fan, aus Berlin!
    Er spricht sehr oft die Sprache, die weht tut.
    Aber wehtun kann es nur, wenn man bereit ist mitzudenken.
    Schramm ist einer der ganz Großen des politischen Kabaretts und
    hat zu recht die höchsten Preise und Ehrungen verdient!

  2. Sound sagt:

    Hut ab……
    Dieser Mann ist verbal der Renner…..
    Solche Männer braucht das Land……..

  3. L.S. sagt:

    Klasse! Besser hätte ich es nicht zum Ausdruck bringen können! Gruss LS

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