Legal? Illegal? … Scheißegal? -Teil 1- Julia Schramm

Eigentlich wollte ich ursprünglich diesem Artikel den Titel „Julia Schamm und Bettina Wulff | Legal, illegal … scheißegal?“ geben. Der ist in der ursprünglichen Einleitung zu lesen:

Die Ereignisse der beiden passen gerade gut zusammen.
Auf der einen Seite eine Politikerin (lt. eigenen Angaben) im Bundesvorstand einer Partei, die für neue Wege des Urheberrechts steht und auf der anderen Seite eine Frau, die sich bisher dadurch auszeichnet, dass die Außenstehenden den Eindruck haben, dass diese alles Rafft was nur irgendwie geht.

Was Beide auszeichnet ist, dass man für fragwürdige Produkte möglich viel rausschlagen will.

Was nicht bedeutet, das ich beide in ein Topf werfen möchte. Mich interessiert da eher das Verständnis in jedem der beiden „Fällen“.

Da dies aber meiner Meinung nach den Rahmen sprengen würde, habe ich dieses Thema nun in 2 Teile geteilt. Der erste Teil ist Julia Schramm gewidmet.

(Ein Slogan von der Piratenpartei, die diese als Banner ins Internet gestellt hatte)

In meinen vorherigen Artikel habe ich mich schon über das Vorgehen und der Handlung von Ihr geäußert. Dabei habe ich auch auf die „freie“ Dikusionsmöglichkeit auf der Plattform der Piratenpartei berichtet. Man hat einfach den entsprechenden Thread geschlossen!
Inzwischen hat der Bundesvorstand der Piratenpartei eine „Stellungsnahme“ zu der Buchveröffentlichung online gestellt.
Um es von meiner Seite zu sagen, ich werde diese gequirlte Scheiße nicht weiter kommentieren. Soll sich jeder selbst ein Bild von dieser Stellungsnahme machen: Stellungnahme des Bundesvorstands zur Buchveröffentlichung “Klick mich”

Interessant war nur, was man (so weit frei geschaltet) in den Kommentaren liest. besonders süß fand ich einen Kommentar, in dem versucht wird mit einem Auszug des Protokolls aus einem Bundesparteitags als Unterstützung für Julia Schramm eingestellt wurde:

Mcihael sagt:
20. September 2012 um 14:32

Auszug aus dem offiziellem Protokoll des Bundesparteitags 2012.1:

http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2012.1/Protokoll

2012-04-28 15:41:54 Frage: Wirst Du deine neue Bekanntheit oder vermehrte Bekanntheit nutzen, um dein Buch zu vermarkten? 2012-04-28 15:42:08 Applaus. 2012-04-28 15:42:10 Julia: Ja, ich habe dieses Buch geschrieben. Es wird in diesem Jahr erscheinen und ich bekomme dafür Geld, dass es mir ermöglicht, hier Arbeit in dem Maß zu machen. ???? Ich habe bisher stark darauf geachtet, dass man die Sachen trennt. ??? Ich weiß, dass das schwer wird. Ich glaube aber, dass ich in der Urheberrechtsdebatte eigentlich genau die richtige Person bin. Der Wind pfeift uns da um die Ohren. ???? Wer Tauschbörsen verbieten will, will das Internet verbieten. Ich werde diese Meinung vertreten, selbst wenn ich dafür nie wieder einen Vertrag bekomme. Ich glaube, ich kann das gut vertreten, gerade weil ich Urheber bin.
Fazit:
Sie wurde ins Amt gewählt von den Leuten denen das mit dem Buch klar war. Auch damals war bereits die Zahl 100.000 Euro im Raum, wenn sich meine Erinnerung nicht ganz verlassen hat.

(Quelle: Kommentar #21 zur Stellungsnahme des Parteivorstands; Hervorhebung von mir)

Das Fazit habe ich mal hervorgehoben. Was jener „Kommentator“ aber scheinbar nicht berücksichtigt ist folgende Sätze, die eigentlich recht bald über seinem Fazit zu lesen sind:
„Wer Tauschbörsen verbieten will, will das Internet verbieten. Ich werde diese Meinung vertreten, selbst wenn ich dafür nie wieder einen Vertrag bekomme.“
Auch den Rest der Äußerungen von Frau Schramm lässt er lieber unter den Tisch fallen:

Frage: Wie bist du politisch eingestellt?
2012-04-28 15:44:58
Julia: Höhö. Piratig. Ich bin kein Fan von dieser Einordnung. Ich glaube an eine freie und solidarische Gemeinschaft. ??? Wir sollten uns dafür einsetzen, dass sich Menschen maximal frei entfalten können. ???? FReiheit und Solidarität. ???
2012-04-28 15:45:35
Applaus.
2012-04-28 15:45:36
Frage: Wirst du deine eigene Meinung oder ausschließlich „Parteimeinung“ in der „Presse“ vertreten (Datenschutz)?
2012-04-28 15:45:58
Julia: Ich werde Piratenmeinung vertreten. ???? Ich habe gemerkt, ich habe mich kritisch damit auseinandergesetzt, ???? Das war eher eine philosophische Debatte, beschäftige mich eher akademisch mit dem Thema Privatsphäre. ???? Und wenn die Piratenpartei sagt, das ist das Instrument, und das soll ich vertreten, dann tue ich das uneingeschränkt.
2012-04-28 15:46:43
Frage: Ist es von den Medien zutreffend wiedergegeben, dass du deinen Buchvertrag vor allem deswegen geschlossen hast, um als BuVo-Mitglied zeitlich und finanziell unabhängig zu sein?
2012-04-28 15:47:25
Julia: Als ich den Buchvertrag abgeschlossen habe, habe ich damit nicht groß geplant. ???? Ich habe dann gehmerkt, ich bin jetzt finanziell unabhängig und kann die Arbeit machen. Das steht nicht direkt im Zusammenhang. Das buch war zu 2/3 Fertig ?????

(Quelle: PiratenWiki – Bundesparteitag 2012.1/Protokoll)

Bei diesem Parteitag hat sie sich auch zu den Zielen der Piratenpartei bekannt und ausgesagt, dass sie diese vertreten will.
Trotzdem sind auf einer extra eingerichteten Seite Mails, Twitter-Nachrichten etc. mit persönlichen Daten der Absender öffentlich eingestellt worden. Zumindest die Mails können nur mit direkter Einwilligung, bzw. Zugriffsgewährung von Frau Schramm veröffentlicht worden sein.
Um dies zu bewerten, mal ein kleiner Blick in die Programmziele der Piratenpartei:

Privatsphäre und Datenschutz

Der Schutz der Privatsphäre und der Datenschutz gewährleisten Würde und Freiheit des Menschen. Die moderne freiheitlich-demokratische Gesellschaftsform wurde in der Vergangenheit auch unter Einsatz zahlloser Menschenleben erkämpft und verteidigt.
[…]
Informationelle Selbstbestimmung
Das Recht des Einzelnen, die Nutzung seiner persönlichen Daten zu kontrollieren, muss gestärkt werden.

(Quelle und mehr zum Thema: Piratenpartei – Themen und Ziele: „Privatsphäre und Datenschutz“)

Dann kommt auch noch dazu, das man scheinbar das Internet bereinigen will, so dass der Vorgang nicht noch peinlicher wird. Ebenso wie man sich die Dinge herauspickt, die man dann neu interpretiert, werden andere Aussagen scheinbar schnell entfernt. So war bis vor kurzen noch recht interessante Äußerungen von Julia Schramm auf YouTube zu sehen, die so garnicht zu den Erläuterungen von ihr und dem bundesvorstand passen. Will man sich diese Äußerungen jetzt ansehen und anhören so bekommt man dieses schöne Bild zu sehen:

Oh, du schöne heile transparente Piratenwelt!

Um mich nicht falsch zu verstehen, Julia Schramm hat alles recht selbst zu entscheiden, ob solch ein Interview mit Ihr online ist oder nicht. Nur sollte solch eine Entscheidung auch mit Ihren Aussagen und Position übereinstimmen. Das sehe ich hier nicht. Sie ist im Bundesvorstand der Piraten und hat sich nach eigenen Aussagen zu den zielen der Partei bekannt und will diese Vertreten. Dazu gehört auch die Transparenz der Funktionäre der Partei. Dies ist z.B. ein Grund, warum ich weder dieser Partei angehören will, noch das ich dort je ein Amt übernehmen würde. Weil ich hier einen Widerspruch zwischen den verschiedenen Ansprüchen der Parteiziele sehe. Aber ich habe mich auch nie zu den Zielen der Piraten bekannt und erst recht habe ich nie erklärt, diese zu vertreten. Im Gegensatz zu Frau Schramm.

Stefan Niggemeier schießt sich in seiner Verteidigung von Frau Schramm so auf die beiden Begriffe „Urheberrecht“ und „geistiges Eigentum“ ein, dass er dabei den Blick auf das Ganze, nämlich der Aussagen von Frau Schramm einfach ignoriert. Als ich diesen Beitrag gelesen habe, kam es mir schon fast so vor, dass julia Schramm nur deswegen gut sein muss, weil Stefan Niggemeier der Bild einen Fehler/Lüge/Täuschung nachweisen konnte. Da aber noch nicht mal Frau Schramm vor diesem „Fehler/Lüge/Täuschung“ diese Unterscheidung machte, wie man in den verschiedensten Äußerungen außerhalb des Podcastes „Wir. Müssen Reden“, auf den sich Stefan Niggemeier mit Scheuklappen Fokussiert entnehmen kann. An den verschiedensten Stellen hat sie nicht nur „geistiges Eigentum“ als „ekelhaft“ bezeichnet, sondern auch gegen das Urheberrecht gewettert.

Julia Schramm hat die Urheberschaft von „geistigen Eigentum“ als ein beziehen aus dem Wissen aller anderen bezeichnet. Nach Ihrem Verständnis (jedenfalls wie sie es vor Ihrer Buchveröffentlichung geäußert hat) ist das Buch von Ihr nicht Ihr Werk, sondern eben das Ergebnis einer Zusammenfassung des gesamten Wissens aller. Somit ist es um so verwunderlicher, dass sie plötzlich wegen dem illegalen Download von „mein Buch“ spricht und die Aktion vom Verlag gutheißt.

Was noch ein spannender Aspekt sein könnte, ist die Frage nach der Schöpfungshöhe. Ob diese bei diesem Werk wirklich gegeben ist, das der gesetzliche Schutz greift (ich weiß, nur einen recht plumpe zynische Zwischenbemerkung).

Aber den Aspekt, den ich hier noch weiter verfolgen will, ist Ihre Aussage, das sie:

Ich habe bisher stark darauf geachtet, dass man die Sachen trennt.

(Quelle: PiratenWiki – Bundesparteitag 2012.1/Protokoll)

Nun, hier ist wohl das Zauberwort „bisher“ (nur damit Herr Niggemeier nicht über mich herfällt). Weil nach heutigem Stand ist dies nicht mehr gegeben. Geht man auf die Homepage von Frau Schramm so findet man auf der Startseite neben den Menüs Blog, Persönliches und Feed auch die Menüpunkte „Piraten“ und „Buch“ dort. Das Der Menüpunkt „Piraten“ auf einen Bereich Ihrer Seite mit „piratigen“ führt, kann man noch nachvollziehen, dass aber, wo sie schon in Ihrem Blog ausführlich über Ihr Buch schwadroniert mit dem Menüpunkt „Buch“ direkt zum Verlag auf die Werbeseite für das Buch verlinkt, zeugt nicht gerade von einer „Trennung“, wie behauptet. Aber selbst dies könnte man noch hinnehmen, da ich sowieso nicht weiß wie man sein Leben trennen kann, wie sie es beim Bundesparteitag behauptet hatte. Aber das dies zumindest heute nicht mehr stimmt zeigt schon die Verlagsseite. Geht man unten auf den Reiter „Termine“, so findet man dort nicht nur die Termine, die die Lesung betreffen sondern auch ganz klar Termine die die Piraten udn Ihre Funktion als Mitglied des Bundesvorstandes betreffen:

Sie ist dort nicht als „Buchautorin“, sondern eindeutig als „Mitglied im Bundesvorstand Piratenpartei“ eingeladen.

Das sieht mir nicht sehr stark nach strikter Trennung aus und scheinbar toleriert die Piratenpartei diese Verknüpfung von privatem Interesse und Vorteilen mit der politischen Arbeit.
In wie weit Julia Schramm noch gegen die Grundsätze der Piraten handelt weiß ich nicht. Es ist mir auch zu Mühsamm noch weiter über diese Frau zu recherchieren. Was ich bisher schon alles erfahren habe, das passt nicht in einen Blog.
Meine persönliche Meinung ist, dass sie eine große Heuchlerin ist und es Ihr scheißegal ist, wen sie für Ihren persönlichen Vorteil schädigt.

Zum Schluss noch den Aspekt der Verschwörungstheorie.
Neben „fefe“, dem alten Verschwörungstheoretiker 😉 hat, nachdem „Don Alphonso“ auf seinem Blog bei FAZ-Community die Verschwörungstheorie „Julia Schramm: Ein Buchdebakel als Sieg für Bertelsmann“ formuliert hatte auch aufgenommen und musste diese direkt mit einem Update garnieren.
Nun, ob nun wirklich die „Blöd“ die Datei auf Dropbox hoch geladen hat, um dann eine diese Story zu haben oder ob dies ein gelungener Coup von Bertelsmann war, sei mal als mögliche Theorie dahin gestellt sein. So gerne ich zwischendurch mal fefe’s Hinweise auf Verschwörungstheorien lese, so ist gerade hier das Problem, bzw. die Begebenheit, dass für diese Theorien es einen Mitspieler benötigt. Nämlich Julia Schramm. Auf der einen Seite brauchte sie nicht erklären, dass sie keinen Widerspruch darin sieht wenn der Verlag gegen den Download auf einer Homepage vorgeht (siehe: Süddeutsche Zeitung – “Jetzt krakeelt wieder der Mob”). Noch brauchte sie auf der anderen Seite einen Vertrag mit diesem Verlag und/oder zu solchen Bedingungen unterschreiben.
Gerade, das dies ein Plan von Bertelsmann sein sollte, halte ich eher für fraglich. Das sie sich durch den voraussehbaren Skandal einen entsprechenden Kaufhype erwartet haben, schon eher. Mal ehrlich, selbst wenn man 100.000 Euro (das ist ja die Summe, die herumschwirrt) wenig sind, um einen Feind zu vernichten, so ist doch eher die Frage, ob die Piraten ein ernst zu nehmender Feind sind. Ich glaube, das sie bei weitem nicht so ernst für die Verwerter zu nehmen sind, wie die Grünen für die Atommafia. und wir haben es ja gesehen, was die Grünen bewirkt haben, von wegen Atomausstieg. Und ohne Fukushima würden wir heute weiter auf dem Stand vor dem Grünenausstieg sein. Und nun, ein gutes Jahr später ist auch der Ausstieg aus dem Austieg-Ausstieg schon wieder fraglich. Und hier geht es „nur“ um eine nationale Begebenheit (nicht von den Firmen her, sondern dem Einfluss), während die Urheberrechte und die Verwertungsmafia auf einer internationalen Interessenebene zu suchen sind. Als ob Deutschland nicht ganz schnell isoliert wäre, wenn es wirklich so weit käme, dass durch entsprechende Gesetze die Interessen der Verwerter eingeschränkt wird. Einzig, dass nun gerade ein schiefes Bild über Autoren durch diese im Netz kursierende Summe (und die 60.000 von Bettina Wulff) könnten ein mieser Plan sein. Ich kenne einige, auch sehr (und nicht nur Regional) bekannte Autoren (z.B. aus Köln und Bonn), die trotz ihrer Bekanntheit nur von solchen Summen träumen können. Einzig die Höhe ihrer Anteile pro verkauften Buch ist mit der Bekanntheit gestiegen. Die Vorschüsse für ein Buch dagegen nicht in dem Maße, wie der Bekanntheitsgrad gestiegen ist (zu behaupten, das diese nicht gestiegen sind, wäre gelogen. Aber diese Autoren sind Garanten für einen gewissen Buchverkauf, also keine Risiko-Investitionen).

Nun aber Schluss, bevor ich vom Hölzchen zum Stöckchen komme. Und es steht ja auch noch der 2. Teil zum Thema „Bettina Wulff“ aus.

Links:

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9 Antworten auf Legal? Illegal? … Scheißegal? -Teil 1- Julia Schramm

  1. lab sagt:

    Inhaltlich liegen wir gar nicht groß auseinander. Ich bin kein Pirat, habe sie nicht gewählt und werde sie wohl auch in absehbarer Zeit nicht wählen. Was das Auftreten prominenter Parteimitglieder (das schließt Julia Schramm, aber auch viele ihrer Kritiker ein) so halte ich es mit Sascha Lobo, der es bei der re:publica auf den Punkt brachte: „…die Nerds hatten mal die Chance, so reinzukommen, die Politik zu verändern. Und dann haben sie es so nerdhaft verrissen, wie nur Nerds es schaffen, zu verkacken.” (http://www.youtube.com/watch?v=m42G0iI4S5U&noredirect=1).
    Nicht Deine Beschäftigung mit den Piraten ist das Ergebnis Deiner Abneigung, sondern aufgrund Deiner Abneigung siehst Du (IMHO) Piratenverteidiger, wo keine sind.

  2. Gaston sagt:

    Über den unterschiedlichen Standpunkt der Betrachtungsweise wird man dann wohl nicht zu einer einheitlichen Einstufung von Niggemeiers Beitrag kommen.
    Zu meinen Abitionen ist wohl noch zu sage, dass ich als ein (nicht als Parteimitglied) die Anfänge der Grünen aktiv begleitet habe. Ich habe die Stufen des Verrates an den Grundsätzen miterlebt und ebenso dagegen gewettert.
    Damals halt noch nicht mit diesem Medium.
    Gewettert habe ich, weil mir die Grundsätze zum größten Teil wichtig waren.
    Nun tauchten die Piraten auf und auch diese vertraten in Ihren Anfängen Positionen, die ich als Wichtig und Richtig fand. Zwar gehört das meiste zum Urheberrecht nicht dazu und ich finde auch, dass manches zu weitgehend ist. Aber wenn man diesen Anspruch hat und festlegt, muss man sich danach messen lassen. Und ich gehe diesbezüglich hart zur Sache.
    Ich habe bereits einige male im Vorfeld versucht direkt bei den Piraten bei persönlichen Berührungspunkten in Kontakt zu kommen. Das Ergebnis war immer enttäuschend, da jedes mal keinerlei Reaktion (wenn man von Drohungen über meinen anonymen Briefkasten absieht. Über den ich auch diesmal schon mehrere Drohungen von angeblichen Piraten erhalten habe). Ich habe dann irgendwann darauf verzichtet, mich an die zuständigen Stellen zu wenden.
    Ansonsten kommentiere ich weiterhin auch die Dinge um den Piraten. Warum sollte das mit meiner angeblichen Abneigung zu tun haben?
    Ich wettere ebenso gegen Grüne, CDU/CSU, FDP. Wenn dann könnte man mir eher eine Abneigung gegen Parteien allgemein zusprechen. Was vielleicht nicht so falsch ist, da ich diese Parteienwahl als solches ablehne. Ich will weder einen Trittin, noch einen Lauer oder andere evtl. Kandidaten durch eine Listenwahl mitwählen müssen. Es gibt sogar Politiker von Parteien, die ich sonst komplett ablehne, die ich eher wählen würde als bestimmte Kandidaten von Parteien, die mir von den Zielen her eher zusagen würden.

    Ich sehe in diesem speziellen Fall die Verlogenheit von einer ganzen Funktionärsgruppe. Das könnte durchaus auch ein subjektiver Eindruck sein. Wobei ich niemanden glaube, der behauptet, er wäre Objektiv. Aber das würde jetzt ins Philosophische führen. 😉

  3. lab sagt:

    Ich bin schlicht der Meinung, dass Du diese ausdrücklichen Äußerungen über die Kritik an den Meldungen hinaus in den Artikel hineininterpretierst. Ich halte sie nicht für „ausdrücklich“ oder über den Beispielaspekt hinausgehend.
    Ich lese den Artikel vor dem Hintergrund, dass ich Niggemeyer als Medienkritiker kenne (tatsächlich „kenne“ ich weder Stefan Niggemeyer noch Julia Schramm über ihre öffentlichen Auftritte hinaus persönlich). Du liest den Artikel offenbar aus Deiner Abneigung gegen Julia Schramm und/oder die Piraten als solche.
    So kommen wir offenbar zu ziemlich unterschiedlichen Ansichten, was das „Entscheidende“ am Artikel ist. Und im Gegensatz zu Dir finde ich Julia Schramm nicht so wichtig, dass man sich mit ihr inhaltlich beschäftigen muss. Tatsächlich tut es mir inzwischen schon fast Leid, um die Zeit, die ich mit dem Kommentieren verbringe – für ein Plädoyer für die journalistische Sorgfalt allerdings ist die Zeit dann doch gut eingesetzt.

  4. Gaston sagt:

    Du vermischst jetzt aber die berechtigte Kritik an die “journalistische Sorgfalt” der Artikel in den Zeitungen mit meiner Kritik, dass Niggemeier daraus eine grundsätzliche Äußerung zu Julia Schramm über diese Artikel hinaus gemacht hat. Das war der Tenor meiner Antwort auf Ihren ersten Kommentar.
    Wie bereits bei meiner ersten Entgegnung beschrieben,
    „Und wenn es Herrn Niggemeier um die “journalistische Sorgfalt” gegangen ist, wie sie sagen, wäre es seine Pflicht gewesen, dies auch mit entsprechender Sorgfalt deutlich zu machen. Statt dessen findet man ausdrückliche Äußerungen zu angeblichen globalen Meinungen und Positionen von Julia Schramm.“

    Also wenn sich Herr Niggemeier in seiner Kritik ausschließlich auf die entsprechenden Artikel bezogen hätte und dabei nicht daraus eine globale Aussage über die angebliche Positionierung von Julia Schramm machen.
    Ich habe aus verschiedenen Quellen nicht nur in diesem Artikel einen Vergleich zu den „ansprüchen“ von der Piratenpartei gegenüber gestellt. So habe ich in dem Artikel „Ich will “Mob” sein!“ auch klar fest gestellt:

    Eins vorneweg:
    Julia Schramm hat jedes “Recht”, ein Buch nach eigenem Gutdünken zu veröffentlichen. Sie hat jedes Recht mit einem Verlag die Bedingungen für eine Veröffentlichung und Bezahlung auszumachen. Sie hat jedes Recht zu entscheiden, was mit Ihrem Werk passiert. Dazu gehört auch das direkte oder indirekte verbieten von illegalen Downloads.

    Für mich ist nur die Frage wie Julia Schamm und auch andere mit dem Thema umgehen. Und so eben auch, wie Herr Niggemeier aus eeinem Zitatfehler (evtl. sogar aus Absicht und von weiteren übernommen) eine grundsätzliche Aussage schmiedet.
    Im übrigen sagt Julia Schramm in dem Podcast, woraf sich dieses Zitat bezieht, neben der Aussage zum „geistigen Eigentum“ auch verschiedene Dinge über „Urheberrecht“ und „geistiges Eigentum“, das vermuten lassen kann, das sie selbst da den Unterschied dieser zwei begriffe sonst auch nicht so streng nimmt.
    Hab bitte verständnis dafür, dass ich mich jetzt nicht wieder 3 Std. (genauer 3 Std. 9 Minuten und 25 sec.) hinsetze um die entsprechenden Passagen heraus zu suchen.
    Aber gerne kannst Du da rein hören: WMR39 – Die Datenausflüsse der Urheber

  5. lab sagt:

    Warum zitierst Du den ersten Satz nur zur Hälfte (i.ü. auch noch falsch, aber das nur am Rande)? Da schreibt er von „einer Frau, die so viele tatsächliche Angriffspunkte für Kritik bietet“ – das klingt für mich nicht gerade nach Verteidigung.

    Und wenn Schramm so oft – „inflationär“ – das Urheberrecht generell als „ekelhaft“ bezeichnet hat und es grundsätzlich abschaffen will, dann kann es doch nicht so schwer sein, dafür einen echten Beleg zu finden! Dann muss man sich doch nichts ausdenken oder umformulieren.

    Mag ja sein, dass sie das Urheberrecht als „ekelhaft“ ansieht und/oder abschaffen will. Und ja, wenn das so ist, verhält sie sich im konkreten Fall nicht sehr stringent. Aber dann muss man es auch belegen – an Hand echter Zitate und nicht mit allgemeinen Behauptungen oder falschen Zitaten.
    DAS ist echter Journalismus – seine Behauptungen auch zu belegen. Alles andere ist Agitation.
    Und so lange hier keine echten Quellen auf dem Tisch liegen, sondern tatsächlich ein anderes lautendes Statement (aus dem Podcast) auf das sich Niggemeyer bezieht, kann er mit einer Berechtigung feststellen, dass sie eben nicht gesagt hat, was ihr unterstellt wird. Wäre im übrigen ja noch schöner, wenn man (oder frau) beweispflichtig ist, etwas bestimmtes nicht gesagt zu haben. Umgekehrt ist es! Wer behauptet, ist beweispflichtig!
    Mag ja durchaus sein, dass in dem Youtube-Video andere neue Erkenntnisse schlummern (dass es nicht öffentlich ist, deutet ja vorsichtig in diese Richtung), aber ich kann es mir nicht anhören und angesichts des bisher dokumentierten Umgangs mit vermeintlichen Statements würde ich das schon gerne machen, bevor ich mir dazu etwas denke.

    Das ist nämlich der Nebeneffekt von schlampigem Umgang mit den Fakten – das Vertrauen in den Autor schwindet.

  6. Gaston sagt:

    Er hat in seinem Ersten Satz ganz klar erklärt, das er es bestimmt bereuen wird, das er Julia Schramm verteidigt.
    Und er bezieht sich bis zu seinem ersten Zitat genau auf Julia Schramm, das Buch und den Hintergrund der Zitate, nämlich die Löschung der illegalen Datei.
    Gerade der Kern zu dem Vorgang des Dateilöschens setzt Niggemeier so an:

    Angeblich steckt darin eine große Ironie und ein Beweis für die Verlogenheit der Piraten insgesamt. Denn eigentlich, so geht die Argumentation, seien die Piraten doch dafür, dass man sich an urheberrechtlich geschützen Inhalten einfach frei bedienen kann.

    (Quelle: Stefan Niggemeier – Ekelhaft)
    Weiter behauptet es das Frau Schramm für Dinge beschimpft wird, die sie nicht getan habe!

    Das kann ich so nicht akzeptieren, da Frau Schramm zwar nicht in dem Zitat genau von Urheberschaft gesprochen hat, aber bei vielen anderen Gelegenheiten sowohl „Urheberschaft“, wie auch „geistiges Eigentum“ als ekelhaft, widerlich und so weiter bezeichnet hat. Ich habe mir viele Texte udn auch Tonpassagen angetan und kann rein persönlich diese „Erklärung“ von Frau Schramm von wegen „geistiges Eigentum“ und „Kampfbegriff“ in der Süddeutschen nur als Nebelkerze bezeichnen, da Sie selbst -wie gesagt- beide Begriffe schon fast inflationär bei jeder Gelegenheit mit entsprechenden negativen Plattitüden vermischt in den Raum schmeißt.

    Wenn dann Herr Niggemeier auf Grund dieses einen Zitates, das falsch wider gegeben wurde, feststellt, dass Frau Schramm das Urheberrecht nicht ablehne (Wortwörtlich von Niggemeier: „Sie lehnt nicht das Urheberrecht ab, sondern den Begriff des »Geistigen Eigentums«.“), dann kann ich dies nur als Versuch ansehen, mit Scheuklappen von einem kleinen Teil auf das Ganze, nämlich die globale Aussagen von Frau Schramm zu „Urheberrecht“ und „geistiges Eigentum“ zu schließen und dabei die ganzen anderen Aussagen von Ihr zu ignorieren. Die Piratengruppe sollte doch mal das Video wieder frei geben, dass nun nur noch „Privat“ ist (siehe oben das Bild). Da hat man sehr schön Ihre Äußerungen zu Urheberrecht hören können.
    Und wenn es Herrn Niggemeier um die „journalistische Sorgfalt“ gegangen ist, wie sie sagen, wäre es seine Pflicht gewesen, dies auch mit entsprechender Sorgfalt deutlich zu machen. Statt dessen findet man ausdrückliche Äußerungen zu angeblichen globalen Meinungen und Positionen von Julia Schramm.

    Es mutet ebenso an, wie das von mir Vorgestellte „Fazit“ eines Kommentators, der dazu weite Teile des zitierten Dokumentes unter den Tisch fallen lässt, um sein Fazit erstellen zu können.
    Oder anders gesagt: Ich kann mir einen mm² eines Bildes anschauen und behaupten „Das Bild sei Rot“ und jemand Anderes, der sich das ganze Bild (oder auch nur einen größeren Ausschnitt) sieht als Lügner bezeichnen, weil dieser sagt, dass das Bild Grün ist. Das, weil er das Bild eines Waldrandes sieht und ich nur die Stelle mit dem Klatschmohn am unteren Bildrand gesehen habe.
    Ob ich nun wahrlich das Ganze gesehen und gehört habe, maße ich mir nicht an, aber weit aus mehr als diese Zitate habe ich aus etlichen anderen Quellen schon gelesen und gehört.

  7. lab sagt:

    Deine Kritik an Stefan Niggemeyer geht am Thema völlig vorbei. Ihm geht es gar nicht um Julia Schramm (was er von ihr hält, kann man mMn. ganz gut zwischen den Zeilen lesen) – sondern um journalistische Sorgfalt.

    Wenn wir erst einmal die Position erreicht haben, dass das ordnungsgemäße Zitieren Nebensache sei (oder Zitate etwas „angepasst“ oder „interpretiert“ werden können), weil die betreffende Person ja schon irgendwie so denken würde, dann sind wir auf einem Niveau mit der Bildzeitung.

    Das kann und muss man kritisieren.

    Es scheint offenbar schwer vorstellbar, dass man Kritik auch kritisieren kann, ohne sich damit auf die „Seite“ der kritisierten Person zu stellen.

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